In die weite Welt

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Wie wichtig sind historische Auswanderungen für die Genealogie?

Millionen von Menschen verließen zwischen dem 18. und frühen 20. Jahrhundert ihre deutschsprachige Heimat. Viele haben sich aus wirtschaftlicher Not heraus entschlossen, auszuwandern und ihren Familien ein besseres Leben zu ermöglichen. Aber auch Kriege, politischer Wandel und religiöse Verfolgung ließen die Menschen große Strapazen auf sich nehmen, um fern der Heimat eine neue Bleibe zu schaffen. 

Neben dem Umherziehen in neue Orte innerhalb der Kirchengemeinde oder der angrenzenden Region, sind vor allem historische Auswanderungen in entfernte Länder ein signifikanter Teil der Genealogie. Migration liefert viele Hinweise zu Zielen und Routen, auf denen die Auswanderer in die neue Welt kamen. Verloren geglaubte Familienmitglieder werden wiedergefunden und Familienlinien verbinden sich über den Globus.

Emigration in der Familienforschung erkennen

Anzeichen, dass eine Person ausgewandert sein könnte, sind, dass zwar ein Taufeintrag, aber keine Heirat oder ein Begräbniseintrag im Kirchenbuch des Geburtsortes zu finden sind. Wenn dann auch in angrenzenden Kirchengemeinden kein betreffender Eintrag gefunden wird, könnte die Person zu denen gehören, die in die Weite Welt gezogen sind.

Fehlen Einträge in Einwohnerlisten, die sonst in regelmäßigen Abständen dort erfaßt wurden, ist das auch ein Indikator, dass die Person das Land verlassen hat.

Manchmal wurde noch schnell vor der Auswanderung im Ort geheiratet. Dann findet sich vielleicht auch ein entsprechender Randvermerk des Pastors, dass die Personen emigriert sind und auch in welches Land und wann sie sich auf die Reise gemacht haben.

Vermerke zur Auswanderung findet man auch nachträglich ergänzt, wenn ganze Familien mit ihren Kindern die Kirchengemeinde verlassen haben.

Es kam auch vor, dass junge Menschen vor der Auswanderung bei der Familie oder Verwandten in Nachbarorten untergekommen sind, wenn Hab und gut bereits verkauft wurde.

Haben die Auswanderer Kontakt zu den Daheimgebliebenen gehalten, finden sich in der Familie noch gut gehütete Briefe oder Fotos. Mündliche Überlieferungen werden auch gerne weitergegeben, diese sind aber meist über die Jahre hinweg ungenauer geworden.

Gab es im Ort oder der Region wirtschaftliche, politische oder kriegerische Auseinandersetzungen, kann das ebenfalls auf vermehrte Auswanderaktionen deuten.

Wie Recherchen zu Auswandern die Familiengeschichte ergänzt

Über die Suche nach ausgewanderten Familienmitgliedern lassen sich weitere, z.T. entfernte Vorfahren aufspüren. Die Familien der ausgewanderten Brüder oder Schwestern können neue Impulse zu weiteren Familienzweigen setzen - der Stammbaum erweitert sich mit Daten und Geschichten rund um den Erdball.

Oft ist nicht nur ein einzelner Auswanderer aus einem Dorf in die Ferne gezogen, sondern weitere Personen und Familien aus dem Dorf oder der näheren Umgebung. Viele blieben auch als Gemeinschaft im Zielland nah beieinander. Bei der Recherche gefundene Auswanderer ist es daher ratsam, nach weiteren Personen aus dessen Umfeld zu forschen - oft entdeckt man ein "Nest" und findet den halben Ort als Kolonisten im fremden Land wieder. Routen der emigrierten Familien lassen sich nachvollziehen und ergänzen die Geschichte mit Schiffsnamen, Häfen und Passagierlisten.

Lücken, die bisher noch den Stammbaum zierten, können über eine Recherche zur Emigration geschlossen und die Daten vervollständigt werden. Oftmals entdeckt man auf genealogischen Portalen die ausgewanderten Familienmitglieder in Stammbäumen der Nachfahren im Zielland. Verbindungen können hergestellt werden und vielleicht reift der Gedanke, doch auch im anderen Land zu erkunden, wo und wie die Auswanderer dort ihr Leben gemeistert  haben.

Tipps, Auswandererrouten zu recherchieren

Daten zu emigrierten Personen sind nicht unbedingt vollzählig in indexierten Beständen zu finden. Nicht alle Auswanderer haben den offiziellen Weg genommen und sich abgemeldet und einen Paß beantragt. Mnach einer hat auf einem Schiff angeheuert und am Zielhafen diese verlassen und ist nicht mehr zurückgekehrt. Diese Personen lassen sich in Desserteurlisten finden. 
Unterlagen sind vielleicht auch nicht immer vollständig erhalten oder indexiert. Die Suche ist daher breitgefächert anzusetzen. Hinweise finden sich u.a. in:

 - Kirchenbücher: dort finden sich z.T. Randvermerke in Einträgen der Auswanderer "ausgewandert nach Amerika 1872"
 - Staatsarchive: indexierte Auswandererakten und -genehmigungen erleichtern die Suche und nennen z.B. das Datum der                                     Passaustellung
 - Passagierlisten: sind z.T. unvollständig und müssen sowohl im Herkunfts- als auch im Zielland durchsucht werden. Im                                              Zielland kann es zu Namensvariationen zum ursprünglichen Namen gekommen sein.
 - Einbürgerungsurkunden: sind im Zielland bei der Einbürgerung (Naturalisation) erstellt worden.
 - Ortschroniken: des Heimatortes beinhalten Daten zu ausgewanderten Familien
 - private Unterlagen: wie Briefe, Tagebücher oder Erzählungen geben Einblick in Beweggründe zur Auswanderung

Schlußfolgerung

Die Erforschung von ausgewanderten Familien gibt ihrem Stammbaum eine weitere, tiefere Ebene und vervollständigt ihn. Zwischen den Daheimgebliebenen Familien und deren Nachkommen und denen der ausgewanderten Familien läßt sich ein über die ganze Welt verzweigtes Familiennetz spannen - die Welt erscheint in diesem Zusammenhang viel kleiner. Emigrationsbewegungen zeichnen auch ein Bild dessen, wozu Menschen sich in früheren Zeiten entschließen mußten, um sich und ihren Nachkommen ein besseres Leben zu ermöglichen. Sie haben viele Strapazen auf sich genommen und nicht jeder hat die Überfahrt und die anschließende harte Anfangszeit überlebt. Die Recherche zu Auswandern ist aber einer der interessantesten, weil sie verschiedene Welten miteinander verbindet.

Anmerkung:
Diese Liste erhebt keinerlei Anspruch auf Richtigkeit oder Vollständigkeit, sondern dient der Orientierung.

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